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LEO - Link Everything OnlineEin Online-Service der Informatik der Technischen Universität München |
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In den beiden vergangenen Monaten kündigte es sich ja bereits an, doch wenn das Phänomen dann tatsächlich eintritt, erfüllt es einen trotzdem mit Unglauben. Über eine Million Wort-Anfragen (die Zugriffe auf die Seite hatten bereits im Juni die Million überschritten), eine Steigerung innerhalb eines Jahres von ziemlich genau 150%, das ist einfach umwerfend. Wie bei jedem unserer Zugriffs-Jubiläen gilt Ihnen, den Besuchern unseres Wörterbuchs, ein ganz herzlicher Dank nicht nur für die Nutzung, sondern in großem Maß auch für die tolle Kooperation!
Eine Million Anfragen, da gehen einem doch allerhand Gedanken
durch den Kopf, wie es zu einer solch dynamischen Entwicklung kam - zum
Jahreswechsel 1999/2000 waren's an sehr guten Tagen gerade mal 200.000 Anfragen,
im gesamten Januar 1999 lag die Zahl knapp doppelt so hoch wie heute an guten
Tagen. Über manche Faktoren lassen sich nur Mutmaßungen anstellen, doch die
wesentlichen Aspekte dürften im folgenden wiedergegeben sein:
Technik: Im Februar 2000 wurde die bislang verwendete
Standardtechnologie (Apache, Wais-Datenbank, Perl-Scripten) zur Realisierung der
Wörterbuchsoftware durch eine hochperformante Eigenentwicklung auf der Basis von
Multithreading ersetzt, die speziell für dieses Anwendungsgebiet ausgelegt ist.
Der Umstieg war zum damaligen Zeitpunkt dringlich geworden, denn die zentrale
Forderung an einen Online-Wörterbuchservice, dass Antworten auf Anfragen "im
selben Augenblick" sichtbar werden, konnte nicht mehr gewährleistet werden. Der
damals eingesetzte Rechner (SUN Sparc60-Doppelprozessor) war mit 4-5 Anfragen
pro Sekunde "am Ende" - mit der neuen Wörterbuchsoftware stellen Spitzen von 100
Anfragen und eine Dauerlast von 30 Anfragen pro Sekunde keinerlei Probleme mehr
dar.
Darstellung und Ergebnisvielfalt: Ob
Neuanwender oder Standardnutzer - eines der KO-Kriterien für die
Akzeptanz eines Online-Service ist die problemlose Bedienung. LEO kommt dieser
Forderung in mehrfacher Hinsicht nach: Einfach überschaubares Layout (auch
wenn's für manche zu simpel und altmodisch ist); kein Umschalten der
Übersetzungsrichtung, da keine Sprachpräferenz voreingestellt ist; auch bei
großer Übersetzungsvielfalt schnell auswertbare Ergebnisse; bei Bedarf einfach
einstellbare Optionen - doch eine Auswertung der Log-Dateien zeigt, dass die
meisten Besucher mit den Voreinstellungen arbeiten.
Steigerung der Sucheffizienz durch Realisierung von
Datenverarbeitungs-spezifischen Hilfsmitteln: Funktionen, wie die
Integration der Morphologie oder
der Verlinkung der
Ergebnisse erlauben dem Benutzer ein deutlich effizienteres Arbeiten als bei
Verwendung von herkömmlichen gedruckten Wörterbüchern: Für Fremdsprachler bietet
das 'birgst' in Goethes Erlkönig nicht länger ein nahezu unüberwindbares
Hindernis, denn auch die Eingabe von 'birgst' liefert bei LEO dank der
Zusammenarbeit mit der Canoo AG
Ergebnisse; und Synonyme lassen sich kaum einfacher und schneller ermitteln als
über die Ergebnisverlinkung - der Klick auf ein Ergebniswort liefert unmittelbar
eine Vielfalt von (Rück)Übersetzungen. Einen weiteren, nicht unerheblichen
Effizienzgewinn liefert das Bookmarklet: Für die
Übersetzung von Wörtern eines HTML-Dokuments genügt es diese zu markieren, die
Wörter müssen nicht in die Wörterbuch-Eingabemaske übertragen werden.
Der Wortschatz - Umfang und Qualität: Da
LEO eines der ersten Wörterbücher im deutschsprachigen Raum bereitstellte, war
die Ressonanz von anfang an, auch bei noch "kleinem" Wortschatz sehr positiv.
Die Wortschatzpflege wurde über lange Zeit im wesentlichen von linguistischen
Amateuren betrieben, wodurch die Qualität des Wortschatzes sehr durchwachsen
war. Doch dies spielte bzgl. Akzeptanz offensichtlich keine zu große Rolle:
Schnelles Nachschlagen bei "hinreichender" Korrektheit wurde von vielen Nutzern
als attraktiv genug erachtet, um nicht auf Papiermedien zurückzugreifen.
Die
Situation hat sich zum heutigen Tage sicher verändert: Wörterbücher mit einem
Wortschatz von weniger als 75.000 Einträgen werden heute eher als "Ärgernis"
empfunden, da zu viele Anfragen ergebnislos bleiben. Auch an die Korrektheit des
Wortschatzes werden heute hohe Anforderungen gestellt - LEO trägt diesem Umstand
Rechnung: Der Wortschatz wird seit April dieses Jahres von einer
Diplom-Übersetzerin gepflegt.
Der Wortschatz -
Zusammensetzung: Um einen großen Kreis von Nutzern zu bekommen bzw.
zu erhalten bedarf es eines Wortschatzes, der u.a. möglischst viele Fachgebiete
umfassend abdeckt, tagesaktuell technisches und umgangssprachliches Vokabular
erfasst, ausreichend Anwendungsbeispiele und Idiome beinhaltet, usw. Dass dies
bei LEO gelungen ist, zeigt sich daran, dass sowohl Banken und Industrie als
Großnutzer reich vertreten sind, als auch tausende von Individualnutzern auf den
Dienst zugreifen (dies spiegelt sich sowohl in den Log-Dateien als auch im Gästebuch wider).
Ein wesentlicher Schritt vom Allgemeinwörterbuch zu einem Wörterbuch, das
zahlreiche Fachgebiete abdeckt, war die Kooperation mit Hrn. Honig, der LEO seinen umfangreichen
Finanz- und Wirtschaftswortschatz zur Verfügung stellte - alleine aus diesem
Wortschatz stammen ca. 45.000 der heute 260.000 Einträge des Wörterbuchs. Das
gute Beispiel machte in der Folge Schule, so dass heute Wortschätze von mehreren
tausend Einträgen z.B. aus den Bereichen Verfahrenstechnik, Maschinenbau,
Fahrzeug-, Energie-, Verpackungstechnik, und vielen mehr integriert sind.
Dialog zwischen Anwender und Entwickler:
LEO erhält wöchentlich alleine ca. 600 Wortanfragen bzw. -vorschläge
zugeschickt, darüberhinaus Fehlerhinweise, zahlreiche,
meist lobende (-: Kommentare, sowie ein
breites Spektrum von Anfragen. Nicht nur für die Wörterbuchbetreiber, auch für
die Nutzer ist die Abwendung von der starren Rollenverteilung Produzent -
Konsument offenkundig nutzbringend und reizvoll. Das Wörterbuch ist wohl eines
der besten Beispiele dafür, wieviel "positive Energie" im Internet steckt: Ohne
Ihre Kooperation und Hilfe wäre das Wörterbuch heute nur ein Schatten seiner
selbst!
Wir wollen diesem Aspekt dadurch Rechnung tragen, dass wir in Kürze
ein Diskussionsforum eröffnen,
in dem u.a. Übersetzungen angefragt bzw. diskutiert werden können.
Das Team: Es ist schlichtweg wunderbar mit
einem derart phantastischen Team zusammenarbeiten zu
dürfen, dessen unermüdlicher Einsatz bei Fortentwicklung, Realisierung und
Wörterbuchpflege die Umsetzung des Projekts letztendlich erst ermöglicht: Ob die
Wörterbuchsoftware, die Elmar Bartel in zahllosen Nacht- und Wochenendstunden
entwickelte und weiterentwickelt, ob Verena Nutzingers akribische
Wortschatzverbesserungen und -erweiterungen, Daniel Langs Rechnerbetreuung und
Maintenance-Scripten, oder Andreas Pauls Statistik- und Forum-Tools (in Kürze
sichtbar) - ohne gewaltiges, fortwährendes Engagement wäre dieses Wörterbuch den
Weg vieler Projekte gegangen ... Wobei über dem aktuellen Team keineswegs
die Pioniere Achim Jung, Kai Peter Wimmer, Mike Gendreyzig, Stephan Haslbeck,
Marc Sihling und Christian Werner vergessen werden dürfen, die in den Jahren von
1995-1999 die Grundlagen für das heutige Wörterbuch legten. Weiterhin gilt der
Dank Vanessa Dennig, Sybille Frank, Irina Maximtscheva und Eva Redfern, die
intensiv an der Vokabelpflege beteiligt waren bzw. sind, sowie, last not least,
Klaus Wimmer, der die für eine Universität noch ziemlich ungewohnten
finanziellen Abwicklungen (Eigenfinanzierung aus Bannerwerbung, u.ä.) erledigt.
Angesichts des großen Pflege- und Entwicklungsaufwands einerseits, und der sehr knappen Personaldecke andererseits (nur Daniel Lang und Verena Nutzinger arbeiten Vollzeit für LEO), dürfte es nicht verwundern, dass wir eigene Ideen und eingesandte Vorschläge zum Ausbau des Wörterbuchs nur begrenzt umsetzen können. Doch Ihr positives Echo stellt eine gute Motivation für weitere Anstrengungen dar (-:
Hans (Kili) Riethmayer, LEO-Projektleiter
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